Ein zum Gruseln schöner Badespaß

Wie schon im vorangegangenen Blogartikel angekündigt, möchte ich in diesem unter anderem das Thema "Cenotes" beschreiben, da ich annehme, dass die meisten von Euch zuvor davon noch nie was gehört haben. Wir übrigens auch nicht. Soviel sei schon mal gesagt ... allein schon dafür lohnt es sich mal Urlaub in Mexiko (speziell auf der Halbinsel Yucatan) zu machen. 
Fun mit der GoPro in der Gran Cenote
Fun mit der GoPro in der Gran Cenote
Eine Cenote (das C gesprochen als scharfes S) ist ein Kalksteinloch (englisch Sinkhole) welches durch den Einsturz der Höhlendecke entsteht und je nach Lage mit Süß-, Salz- oder Mischwasser   gefühlt ist oder auch, wenn es schon älter ist, trocken sein kann. Es gibt davon über 1000 Stück, die sich größtenteils im Bundesstaat Quintana Roo befinden, also da wo auch u.a. Cancun, Playa Del Carmen und Tulum liegen. Weitere (lohnenswerte, und auch nicht gerade wenige) findet man ebenfalls im Bundestaat Yucatan. Die durchschnittliche Wassertiefe der Löcher liegt bei 15 Meter, jedoch gibt es viele "Monster-Cenotes", die eine Tiefe von über 100 m haben. Die meisten der Cenotes stehen in Verbindung mit den beiden größten Unterwasserhöhlensystemen der Welt. 
Für die Maya waren die Löcher Zugänge zur Unterwelt, weshalb sie sie auch als Opferstätten verwendeten, damit auch ja nicht die Frischwasserquelle versiegt. Gleichzeitig geht man heute davon aus, dass die Cenotes einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der Mayahochkultur stifteten. Heute sind fast alle Cenoten in privater Hand und werden hauptsächlich nur noch zum Tauchen, Schnorcheln oder zum Erfrischen genutzt. 
Sonnetankende Schnappschildkröten
Sonnetankende Schnappschildkröten
Wir besuchten insgesamt 5 Stück auf unserer Reise durch Mexiko. Rund um Tulum gibt es viele die für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Wir besuchten zum einen, die wohl berühmteste Doppel-Cenote "Dos Ojos". Bekannt geworden ist diese u.a. durch die BBC-Serie "Planet Erde". Diese ist auch sehr beliebt bei Tauchern, da man über diese Cenote einen leichten Zugang zu eines der vorgenannten Unterwasserhöhlensysteme hat. Wir, "Ultra-Extrem-Profi-Schnorchler", kamen auch zu unserem Spaß. Und es war irgendwie auch ziemlich lustig die Taucher am Grund der Cenote zu beobachten, wie sie plötzlich in einer Höhle verschwanden, man jedoch die Lichter ihrer Taschenlampen noch leuchten sah. Hatte ein bisschen was von so einem gruseligen Höhlentaucherhorrorfilm. 
Chichen Itza - Ein bisschen Kultur stand auch mal wieder auf dem Programm. PS: Ich will gar nicht wissen wieviele Köpfe die Treppe da wohl runter gerollt sind ... :-x
Chichen Itza - Ein bisschen Kultur stand auch mal wieder auf dem Programm. PS: Ich will gar nicht wissen wieviele Köpfe die Treppe da wohl runter gerollt sind ... :-x
Die folgenden 3 Cenotes (Grand Cenote, Ik'kil und Samula) waren zwar auch ganz nett, aber nicht so spektakulär wie Dos Ojos. Ik'kil, war beängstigend voll von Touristen, da diese nur 5 Fahrminuten entfernt ist von der wohl bekanntesten Mayastätte Mexikos, "Chichen Itza". Aber wo wir schon mal da waren, überkam mich kurz das Bedürfnis zu der Empore hoch zu gehen, wo schon ein paar wagemutige den Sprung ins erfrischende Nass ausführten. Noch bevor ich, der eigentlich ein Problem mit Höhen hat, meinen Gedankenwahn zu Ende führen konnte, setzen sich meine Beine mechanisch in Bewegung. Ich stieg die Treppen hoch und ging an den Leuten vorbei, die sich an den mittleren Treppenabsätzen zum Sprung bereitmachten. Fast am Ende war ich bei einer Handvoll mexikanischer Jungs angelangt. Diese boten mir lächelnd an, vorweg zu springen. Ich lehnte ihr Angebot freundlich ab und zeigte an ihnen vorbei. Ehrfürchtig machten diese dem verrückten Gringo Platz, sodass ich auf die höchste Absprungstelle emporsteigen konnte. Da stand ich dann ... um die 5 Meter bis zur Wasseroberfläche ... es wirkte wie das Vierfache auf mich ... "Scheiße, was machst Du denn für Sachen", ging es mir durch den Kopf ... meine Knie wurden weich, mein Herz raste, meine Atmung beschleunigte sich  ... es half alles nichts ... es gab kein Zurück ... ich sprang und gefühlte 10 Minuten später schluckte mich diese 60m tiefe Bilderbuch-Cenote und spuckte mich anschließend wieder aus. Ich hab's getan! Unfassbar! Natürlich brauchte ich nicht ans Ufer zu schwimmen. Das Adrenalin ließ mich quasi über das Wasser laufen. Am Beckenrand wartete stolz meine Christina und gab mir einen Kuss. Ich zog mich an und wir fuhren zufrieden nach Hause. 
Die letzte Cenote, die wir besuchten und wo wir den wohl größten Spaß hatten, war ein Geheimtipp von unseren Gastgebern in Vallodolid. Sie wird "Oxman" genannt und liegt nur rund 5 Km vom Ortszentrum entfernt. Touristen verirren sich hier eher selten hin, so kam es dass außer uns nur 2-3 Einheimische da waren. Der Eintrittspreis war ebenfalls dementsprechend viel günstiger als der aller vorangegangenen Cenotes. Oxman ist 77 m tief und daher ist das Wasser tiefblau bis schwarz. Ja, es kostet schon etwas Überwindung darein zu steigen, aber wenn man erstmal drin ist, will man so schnell auch nicht wieder raus. Ringsherum hängen vereinzelt die Wurzeln der oberirdischen Bäume die 20-30 m runter und tauchen ihre Spitzen ins Wasser. Die Ausstrahlung dieser zylinderförmigen Cenote wirkte unglaublich beruhigend auf einen. Ein bisschen wie in einem Spa-Palast (nicht dass ich schon mal in einem war, aber ein bisschen stell ich es mir so vor). Es war wunderschön hier. Aber der eigentliche Knüller hier war ein Schwingseil, mit dem man sich von einer Anhöhe am Uferrand in die Mitte dieses Naturpools schwingen konnte. Was für ein genialer Spaß! 
Na, wenn da mal der Tarzan nicht neidisch wird ... ;-)
Na, wenn da mal der Tarzan nicht neidisch wird ... ;-)
Schade, das wir in Deutschland keine Cenotes haben. Vielleicht sollten wir bei Rückkehr in die Heimat ein Loch im Garten graben. Vielleicht kommen wir aber auch einfach wieder nach Mexiko ... :-) 

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