"Do you know Tassie?" - Ein Reisetipp!

Hier mal ein paar Daten, Fakten und historisches zu unserem nächsten Ziel: Mit nur etwas weniger Fläche als Bayern und nur etwas weniger Einwohner als Bremen präsentiert sich Tasmanien als die größte Insel Australiens. Das war nicht immer so ...
Tassie war am Ende der letzten Eiszeit vor rund 12.000 Jahren noch mit dem australischen Festland verbunden. Das schmelzende Eis erhöhte damals den Meeresspiegel sukzessive bis die Bassstrasse ihr heutiges Niveau von durchschnittlich 90 m Wassertiefe erreicht hat. Das Klima ist - obwohl es auf dem gleichen Breitengrad wie Rom und Istanbul liegt - spürbar kühler und rauer, was wohl mitunter an der isolierten Lage am östlichen Rand des indischen Ozeans liegt und an der relativen Nähe zur Antarktis. Obwohl schon 1642 durch "Abel Tasman" entdeckt, dauerte es noch über 150 Jahre bis man herausfand dass es sich (mittlerweile) um eine Insel handelt. Die Anzahl der Ureinwohner, die sich hier wacker seit der Besiedelung vor rund 35.000 Jahren gehalten hatten, lag bei rund 5.000 ... bis die Europäer kamen. Mitte des 18. Jahrhunderts wurden sie vollständig ausgerottet. Heute gibt es nur noch Nachfahren aus Mischehen mit Europäern, die natürlich so assimiliert sind, dass die damalige Kultur bestenfalls noch in Geschichtsbüchern erhalten wurde.
Wenn man Schwimmen nicht mitrechnet, gibt es zwei Wege um die Distanz von rund 250 km zum Festland zu überbrücken. Per Fähre von Melbourne nach Devonport im Norden der Insel (Dauer fast einen ganzen Tag) oder per Flieger nach Hobart, der im Süden befindlichen, ein bisschen verschlafenen Hauptstadt (Dauer 1 Stunde). Wir entschieden uns für die schnellere Variante, da die Preise nahezu aufs Gleiche hinauskamen. 
Da wir erst am späten Nachmittag landeten, verpassten wir leider knapp die Öffnungszeiten unseres Campervanverleihers, weswegen wir uns zuvor schon ein Zimmer in einem ultragemütlichen Hostel im Battery Point - Viertel reserviert hatten. Leider gibt es nur die Möglichkeiten mit teurem Busschuttle (18 AUD p.P.) oder mit Taxi (ca. 45 AUD) in die Stadt zu kommen. Wir fanden zwei ebenfalls gerade angekommene und in der Gegend rumstehende Holländerinnen und teilten uns mit den Beiden ein Taxi, sodass wir zumindest ein bisschen Geld sparen konnten. Lustig war unser Fahrer. Er sah original aus wie Sasha Baron Cohen. Ihr wisst schon ... Borat. :-) Wobei er mit seinem fetten Goldschmuck an Hals und Fingern eher wie Cohen in der Rolle als Ali G rüberkam, allerdings im Anzug. Er stellte sich uns als ... und jetzt kommt's ... Kosta vor und erzählte uns breitbrüstig er sei Grieche! 😆 Tina hat ihn daraufhin gleich mal auf Griechisch begrüßt und er antwortete ... "Sorry, actually I don't speak Greek."  Tja, schade. Hätte gerne mehr von ihm erfahren über Tassie und das Leben hier. Aber das war selbst auf Englisch kaum möglich, da er einen echt krassen Aussie-Dialekt sprach. 
Tina macht Müsli im Wohnzimmer/Küche/Schlafzimmer. :-)
Tina macht Müsli im Wohnzimmer/Küche/Schlafzimmer. :-)
Hobart war niedlich, schöne Häuser und nette Pubs an der Marina bzw. im Gastro-Viertel Salamanca. Am nächsten Tag holten wir den Wagen ab, füllten unsere Vorratskammer und machten uns auf den Weg hoch die Ostküste entlang zum Freycinet-Nationalpark, wo die berühmte Wineglassbay Bay (einer DER Topstrände der Welt, leider aber zu kalt zum Baden) auf uns wartete. Hier haben wir einen moderaten 6-stündigen Loop machen können, der uns auch sehr gut gefallen hat, da sehr abwechslungsreich. 

Ach übrigens der Besuch von Nationalparks kostet hier auf Tasmanien Eintritt:

Ein Auto/ Campervan mit bis zu 8 Personen kostet 24 AUD (ca. 15 EUR) für 24 Std. ODER man holt sich gleich das 2-Monats-Ticket für verhältnismäßig günstige 60 AUD (ca. 42 EUR). Wir entschieden uns für letzteres, da man sich hier hauptsächlich auf irgendwelchen Wanderwegen in wunderschönen Nationalparks aufhält. 
Wineglassbay von einem der Lookouts
Wineglassbay von einem der Lookouts
Lunching at the Shadowlake - Cradle Mountain Lake St. Claire Nationalpark
Lunching at the Shadowlake - Cradle Mountain Lake St. Claire Nationalpark
Den Rest unserer 2-wöchigen Rundtour (gegen den Uhrzeigersinn) möchte ich gerne  zusammenfassen im Sinne von "Was erwartet einen eigentlich in Tasmanien?": 

Auch wenn sich die Insel gut in 2 Wochen bereisen lässt, bietet sie durchaus Potenzial für 3-4 Wochen. Man trifft hier ausgesprochen häufig auf Tiere, die die meisten von uns vermutlich nur aus Tierdokus kennen. Wir sahen u.a. Wallabys (eine Art kleinere Kängurus, die auf dem Festland bereits ausgestorben sind), Wombats (der Knüller überhaupt!!!), Schnabeltiere (was hat sich die Natur dabei nur gedacht?!), Echidnas (Ameisenigel, haben eine Schnute wie Pinocchio), schwarze Tigerschlangen (giftig, verhält sich jedoch eher passiv und haut ab, wenn man sich nähert) und zig komischer Vögel. Und das ganze war nicht bei einem Zoobesuch, sondern geschah in freier Natur, quasi vor unseren Füßen. Eines Nachts sind wir von einem lauten Pinguinkükengeschrei (hatte wohl noch Kohldampf) aufgewacht, dessen Bau sich wohl direkt im Busch neben unserem Van befand. Den Tasmanischen Teufel haben wir leider nur in ausgestopfter Form in einer I-Site (Besucherzentrum) gesehen. Es gibt zwar ein paar zu bestaunen im Devilpark auf der Tasman Peninsula, aber das kostet ein Vermögen und es wurde uns ganz dringend von anderen Reisenden davon abgeraten. Naja in Zoo gehen können wir ja auch zuhause ... außerdem war ich sowieso immer mehr für "Roadrunner" ... miepmiep! ;-)
Was das Campen als solches angeht sind die Tassies wirklich sehr entspannt. Wir haben eigentlich fast jede Nacht kostenlos direkt am Meer, am Rande von Nationalparks oder an kristallklaren Seen gestanden und genächtigt und das völlig kostenlos. Dank der App "Wikicamps" (gibt es auch für NZ, UK, USA, Kanada) konnten wir die besten Spots auch immer superschnell finden. Lagerfeuer sind an vielen Stellen erlaubt (es gibt viele Hinweise wenn nicht) und wer gerne angelt, kommt hier ebenfalls auf seine Kosten.  

Die zahlreichen Nationalparks sind sehr abwechslungsreich und bieten diverse Wanderstrecken von entspannten Spaziergängen, fordernde Tageswanderungen bis hin zu einer Handvoll ambitionierter, mehrtägiger Wanderungen, wo man entweder in Schutzhütten oder in selbstmitgebrachten Zelten schläft. Alle Infos dazu erhält man in den Besucherzentren vor Ort. Dort holten wir uns auch eine Broschüre mit den "60 GreatShortWalks" raus. Darin findet man eigentlich alle lohnenswerten (Tages-)Wanderstrecken mit Karte und allen Angaben die man wissen möchte. Praktisch. 

Unser Fazit: Tasmanien macht Spaß. Es bietet durchgängig eine wunderschöne Natur, besticht durch seine Überschaubarkeit und ist ganz und gar unkompliziert. Hier kann man - soweit man sich respektvoll verhält und sich an manche Regeln hält - voll seine "Into-The-Wild-Träume" ausleben. Die Einwohner sind nett, die Tiere noch mehr. Daumen hoch für Tassie! 
Hier werden "kleine Jungen"-Träume wahr ... :-)
Hier werden "kleine Jungen"-Träume wahr ... :-)

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