Golfende Kängurus

Machen oder nicht? Bei keinem Land waren wir so unentschlossen wie bei Australien. Das ist gerade deswegen komisch, da ich seit meinem 16. Lebensjahr, als ich erfuhr, dass ich entfernte (im doppeltem Sinne) Verwandte in Melbourne habe, unbedingt mal dort hinreisen wollte. Aber dennoch, wir waren hin und her gerissen. Viele Freunde, Bekannte und Leute, die wir auf unserer bisherigen Reise trafen, schwärmten vom 5. Kontinent. Aber ... fast eben so viele, waren leider der Ansicht, es gäbe bessere und vor allem günstigere Alternativen. Schwierig ...
"Augenöffnend" war schlussendlich ein feuchtfröhlicher Abend in einem koreanisch-japanischen Restaurant mit einem Australisch-Puerto Ricanischem-Pärchen in Nepal (das musste ich einfach schreiben:-). Jan und Nicole, waren ihrerseits zu dem Zeitpunkt am Ende ihrer Weltreise angelangt. Die beiden - Augenärzte - waren innerhalb eines halben Jahres auf einem Motorrad von Irland gestartet und quer durch Europa, über Nahost und Fernost wieder zurück nach Mittelost gereist. Da soll noch mal einer sagen, WIR wären mutig ... 
Jedenfalls hatten wir nach diesem netten Abend den "Durchblick" (Sorry:-) und entschlossen uns auf deren Empfehlung hin nur einen Teil Australiens zu bereisen, nämlich Melbourne und Umgebung und dann rüber nach Tasmanien. 

Über eine deutsche Wohnmobilagentur hatten wir uns im Vorwege einen "Campervan" reserviert, den wir gleich nach Ankunft in Melbourne abholten. Gemütlich sag ich mal! Und nach dem wir den nächstbesten Supermarkt (Aldi hihihi ...) ansteuerten und unsere Speisekammer füllten, ging es auch schon los zu unserem ersten Vorhaben: "The Great Ocean Road"! 
The Twelve Apostels and The Two vom Winde verwehten
The Twelve Apostels and The Two vom Winde verwehten
"Hey Eddy, hör auf den Ball anzuknabbern! Da stehen Touris!"
"Hey Eddy, hör auf den Ball anzuknabbern! Da stehen Touris!"
Wir waren 3-4 Tage unterwegs (geht auch kürzer, aber wir mögen's ja gemütlich) und trafen auf allerhand lustiger Tierchen, allen voran natürlich Kängurus (auf 'nem Golfplatz; Geheimtipp von einem Einheimischen) aber auch eine Hand voll Koalas ("boah, wie putzig!!"). Wir sahen die "Twelve Apostel" und nachdem wir unsere Finger wundfotografiert hatten, machten wir uns auch schon wieder auf den Rückweg nach Melbourne. 
Central Station
Central Station
Melbourne als solches war ganz nett. Besonders bekannt und beliebt ist es ja für seine kulinarische Vielfalt und seine Kaffeehäuser. Die Aussies trinken ja für gewöhnlich massenweise Instantcoffee , hier jedoch hat sich die europäische (insbesondere die italienische) Kaffeekultur durchgesetzt. Leider hatten wir zu wenig Zeit um dem ganzen nachzugehen. Es galt ein paar Besorgungen in der Stadt zu machen und ein paar Attraktionen abzuklappern. Tja, als Reisender muss man eben auch Prioritäten setzen. Nun denn. Nachdem wir alles hatten, was wir brauchten, düsten wir wieder los Richtung Süden. Lustig war, das wir uns trotz (oder gerade wegen des) Navis in der Stadt erstmal verfuhren und uns plötzlich auf einer Strasse wiederfanden, die mit zahlreichen Kurven und Tribünen links und rechts ausgestattet war. Hmmmm ... da war doch was?! Ah ja, richtig! Formel1! :-) So fuhren wir also einmal auch auf der Rennstrecke im Albert Park, wo eine  Woche später Lewis Hamilton den Sieg zum Saisonauftakt holte. Ha, Sachen gibt's! :-) 
Free Camping war zwar nicht immer wirklich "free" dafür aber immer wunderschön! :-)
Free Camping war zwar nicht immer wirklich "free" dafür aber immer wunderschön! :-)
Für die letzten Tage hatten wir noch 2 Punkte auf dem Zettel. Zum einen fuhren wir auf "Philipp-Island" um uns die kleinsten Pinguine der Welt für viel (zu viel) Geld anzuschauen. Auf dieser Insel gibt es u.a. ein Pinguincenter, wo täglich zur Abenddämmerung sich zahlreiche Touris aus aller Welt einfinden, um der "Penguin Parade" beizuwohnen. Diese kleinen, niedlichen, flugunfähigen Vögelchen sind den ganzen Tag im Meer und fangen Fisch. Da sie an Land so gut wie wehrlos sind, müssen sie die Dunkelheit abwarten , um in Grüppchen (total putzig) aus dem Wasser zu flutschen und den Strand hoch in die Böschungen zu watscheln, wo ihre Jungen hungrig im Bau auf sie warten. Das ganze war insgesamt leider eher enttäuschend, da eben sehr teuer (37 AUD p.P.), zu "crowdy", man kaum was sieht, weil zu weit weg und zu dunkel. Achso und Fotos (auch ohne Blitz mittlerweile) darf man auch nicht machen, daher stellt Euch einfach sehr kleine Pinguine vor (oder googelt sie einfach). 
Man beachte die griechischen Säulen und Koryphäen am Haus ... hehe :-D
Man beachte die griechischen Säulen und Koryphäen am Haus ... hehe :-D
Der Zweite und damit letzte, "abzuarbeitende" Punkt war der Besuch meiner Familie. Der Halbbruder meiner Großmutter väterlicherseits, hat sich als junger Mann mit seiner Frau in den 50ern hier (in Cheltenham, Vorort von Melbourne) niedergelassen. Den beiden bin ich zwar schon mehrfach in Griechenland und sogar durch Besuche ihrerseits bei uns in Deutschland begegnet, jedoch kannte ich deren Kinder und Enkelkinder nur von Fotos. Nachdem ich meinen Onkel anrief und fragte, ob wir mal auf einen Kaffee vorbeikommen könnten, war er natürlich superhappy und lud uns gleich zum Essen bei sich ein und bestand darauf, das wir zumindest eine Nacht blieben. Das taten wir dann auch. So hatten wir auch Gelegenheit meinen Onkel Chris (also deren Sohn) bei ein paar abendlichen Bierchen kennenzulernen, als dieser von der Arbeit kam. Der Rest der Familie hatte leider keine Zeit, aber unser Besuch war ja auch recht spontan. Es war richtig schön Chris kennenzulernen. Ein wirklich herzensguter Mensch! Am nächsten Morgen, bot er uns an uns zur über 70 km entfernten Campervan -Abgabe zu begleiten, nur um uns dann von dort aus zum 5 km weitergelegenen Flughafen zu fahren, was wir natürlich ablehnten. Bei der Verabschiedung, es zuckten schon die Tränensäcke (komisch, wenn man bedenkt, das man sich gerade erst kennengelernt hat), wurden letzte Erinnerungsfotos geschossen und der ganze Proviant, den uns Tante Simo, mitgegeben hatte, eingeladen und los ging's ... mal wieder. 

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