Wandern im Annapurna

Wir sind (wieder) in Pokhara und erholen uns gerade von unserem Ausflug in die Berge. Es war sensationell! Und wir vermissen die Abgeschiedenheit schon jetzt. Aber nun mal ganz langsam und von vorn ... 

Shooting auf dem "Poonhill" (3210m), unser Höhepunkt auf dem Trek. Im Hintergrund der Dhaulagiri (8167m), der 7. höchste Berg der Welt.
Shooting auf dem "Poonhill" (3210m), unser Höhepunkt auf dem Trek. Im Hintergrund der Dhaulagiri (8167m), der 7. höchste Berg der Welt.
Nachdem wir vor zwei Wochen den Chitwan NP in Richtung Norden verließen, steuerten wir die laut der Einheimischen wohl schönsten und de facto 2. größten Stadt Nepals an: Pokhara. Sie gilt deshalb als besonders schön, weil sie an dem von grünen Hügeln flankierten Phewa-Lake gelegen ist und weil sich im Norden zum Greifen nah die Spitzen des Annapurnamassivs auftürmen. Mal abgesehen von dieser pittoresken Kulisse, kann es die Stadt meiner Meinung nach aber bei weitem nicht mit New York, Paris oder Delmenhorst aufnehmen. Aber das war uns egal, denn wir waren ja schließlich aus einem anderen Grund hergekommen. Wir nahmen uns ein Zimmer in einem günstigen, in zweiter Reihe versteckten Hotel im Stadtteil (eigentlich ist es eher eine Flaniermeile) "Lakeside", wo es uns so gut gefiel, dass wir beschlossen hier auch wieder nach unserem Trek herzukommen.   

Steine im Weg können auch mal hilfreich sein
Steine im Weg können auch mal hilfreich sein
Noch am Tag unserer Ankunft ließen wir uns von unserer Gastgeberin Laxmi (Was übrigens auch der Name der hierzulande verehrten Geldgöttin ist ...) bezüglich eines Guides und eines Porters bequatschen und schwuppsdiewupps saßen wir einen Abend später mit einem Guide auf ihrer Couch. Sein Name war übrigens Raj und wir waren zufällig im gleichen Alter. Ein sympathischer Kerl. Sein Englisch war inhaltlich zwar gut, seine Aussprache allerdings ließ uns glauben er käme gerade vom Zahnarzt, was er aber durch seine aktive Körpersprache irgendwie wieder ausglich. Wir waren uns schnell einig: Es sollte der berühmte ABC-(Annapurna Base Camp)-Trek werden und losgehen sollte es am Morgen des 14.10.2014. Wir "bestellten" gleichzeitig noch einen Porter (Träger für unseren großen Rucksack) und ließen uns eine Liste von Dingen aufgegeben, was wir für die geplanten 10 Tage noch brauchen würden.  

"The New Bridge" ... hätte gerne mal die alte gesehen ...
"The New Bridge" ... hätte gerne mal die alte gesehen ...
In den drei Tagen, voller strahlendem Sonnenschein, vor dem Trek, bummelten wir also von einem Outdoor-Laden zum nächsten (jedes dritte Geschäft ist eins) und hakten unsere Liste ab. Man muss wissen, dass die Läden durch die Bank weg, ausschließlich gefälschte Waren verkaufen und auch wenn wir im Normalfall unter keinen Umständen das unterstützen würden, mussten wir wegen mangelnden Alternativen eine Ausnahme machen. Anerkennenderweise muss ich hinzufügen, dass die Fälschungen wirklich sehr sehr gut sind und um das Gewissen zu beruhigen: Offenbar gilt es in Nepal nicht als Strafbestand Plagiate zu verkaufen/kaufen, denn dieser Wirtschaftszweig ist unverkennbar so gewachsen, dass eine Verschärfung der Gesetze bzw. die Verfolgung dieses Strafbestandes wohl oder übel in einem humanitären Desaster enden würde. Und DAS, will ja schließlich auch niemand ... 

Wäsche waschen über den Wolken
Wäsche waschen über den Wolken
Am Abend des 13.10.2014 wurden wir ziemlich nervös. Es fing an sich zuzuziehen und der Wetterbericht ließ für die kommenden Tagen nicht gerade viel Hoffnung übrig. Wir sind zwar ausgerüstet für bzw. gegen Regen, aber wer hat schon Lust zwei Tage lang a 7 Stunden über den schlammigen Boden zu stapfen und das an Abhängen entlang. Und auch unseren tollen, ORIGINALEN Regenjacken aus Deutschland traue ich nicht wirklich zu uns gegen Dauerregen zu schützen. Das geht nicht. Wir müssen den Termin verschieben. 
Nach einer schlaflosen Tag, kriechen wir am eigentlichen Starttag früh morgens zu Laxmi und bevor wir auch nur unser Anliegen vorbringen können, winkt sie ab und sagt, dass ihr das Leid täte aber bei diesem Wetter können wir auf keinen Fall starten. Puh ... wir dachten schon, sie kommt uns wieder mit ihrer "Don't Worry"-Masche, aber offenbar weiß auch sie wann gut ist. Erleichtert schlurften wir wieder ins Bett und schliefen entspannt ein. 

  

Sieht doch gemütlich aus oder etwa nicht?!
Sieht doch gemütlich aus oder etwa nicht?!
Am 16.10.2014 (wir wären auch am 15. gestartet, aber man riet uns noch zu warten wegen der nicht trittfesten Böden) ging es dann endlich los. Der Tag war herrlich und die Aussichten bestens. Leider mischte sich jedoch zu unserem freudigen Tatendrang, Trauer um die Unglücksopfer vom Annapurna-Circuit und ein tiefes Mitgefühl für deren Angehörige, aber auch für die überlebenden Wegbegleiter. Es ist schon was anderes, wenn man zuhause beim Frühstück die Zeitung aufschlägt und eine kleine Schlagzeile "X Tote bei Schneestürmen in Nepal" überfliegt und zur Kenntnis nimmt oder ob man direkt vor Ort ist und eventuell unwissentlich vor ein, zwei Wochen noch mit einem Betroffenen zusammen gefrühstückt hat oder er/sie in Kathmandu in einem Café neben einem saß. Keine schöne Erfahrung, aber auch diese gehört nun unwiderruflich zu unserer Reise und damit zu uns dazu.
Unser Expeditionstrupp in Chhromrong
Unser Expeditionstrupp in Chhromrong
Das Trekken als solches war eine wundervolle Erfahrung. Wir waren zwar schon häufiger (berg-)wandern, aber noch nie über 2 Tage hinaus. Zusammenfassend kann man sagen, dass wir ...

- alles in allem besser klar gekommen sind, als gedacht.
- leider wegen Lawinengefahr (ist beim ABC-Trek überdurchschnittlich höher als beim Annapurna-Circuit) "nur" bis nach Chhromrong wandern konnten und dann über einen anderen ebenfalls wunderschönen Wanderweg zurück sind. 
- insgesamt 7 Tage unterwegs waren und dabei die meiste Zeit in ungeheizten, ich nenn's mal "große Schachteln", hausten und nachts bei Minusgraden und unter sternenklarem Himmel uns zu den außenliegenden Gemeinschaftsplumpsklos quälen mussten.
- das Essen in den Bergen nicht nur gut vertragen, sondern auch lecker fanden. (Bestes Dal Bhat; morgens immer Müsli oder Porridge mit Früchten; selbstgemachte Pommes, bei denen MCDoof und irgendwelche Pommesbuden nicht mithalten könnten) 
- Gelegenheit hatten unseren Guide,Raj, und unseren Porter, heißt ebenfalls Raj, näher kennenzulernen. Sie beantworteten uns viele Fragen, sodass wir uns ein festeres Bild der Lebensumstände in Nepal machen konnten.
- wir mehrfach echten Adlern in Aktion, zig Büffeln, Pferden, Ziegen, Hühnern und sogar Affen begegnet sind. 
- fast textsicher sind in den drei gängigsten Folkloreliedern Nepals, da diese uns aufgrund des aktuellen Dipawali-Festes von süßen Kindern aus den Bergdörfern zigmal vorgeträllert wurden. Die verbarrikadierten richtig die Straße und ließen uns erst passieren, nach dem wir ihnen 20 Rupien (rund 25 Cent) zugesteckt hatten, worüber sie sich riesig freuten. Bezaubernd! :-) 

Unterm Strich war der Trek unser absolutes Highlight in Nepal. 

Oh Du wunderbares Bergidyll, ich vermiss Dich so. Hinten ragt der "Mt. Machhapuchchhre" (6997m) auf. Auch bekannt als "Mt. Fishtail".
Oh Du wunderbares Bergidyll, ich vermiss Dich so. Hinten ragt der "Mt. Machhapuchchhre" (6997m) auf. Auch bekannt als "Mt. Fishtail".
Nun sind wir wie eingangs erwähnt wieder in Pokhara und "chillen". Christina hat sich in den Tagen eine üble Magen-Darm-Grippe zugezogen, was vermutlich auf unreine Lebensmittel zurück zu führen ist, aber so schnell das Ganze ausbrach, so schnell verschwand es (dank "Schwester Toni" *hust*) auch wieder. So haben wir hier auch nun unsere erste Krisensituation überstanden. 

Für die Tage bis zu unserem bevorstehen Flug am 06.11. nach Sri Lanka und dem damit verbundenen Wiedersehen mit Kersten & Kathy haben wir uns vorgenommen unsere weitere Reiseplanung zu besprechen und dafür zu recherchieren. Und ein bisschen werden wir wohl auch das nichts zu genießen, denke ich ... 



Hier noch mal ein paar Infos zu Guides/Porters/Ausrüstung/Kosten ....

Braucht man eigentlich einen Guide? Nein, im Gegensatz zu manchen anderen Treks hier in Nepal, sind Guides auf dem ABC-Trek nicht zwingend vorgeschrieben. Die Wege sind relativ gut ausgeschildert, es gibt wenig Abzweigungen. Alle 45-120 Minuten gibt es eine Siedlung (manchmal nur ein Haus), wo man Getränke, Essen, einen Schlafplatz und auch mal  einen Tipp bekommt, wo man lang muss, falls man sich doch mal verlaufen haben sollte. Und im Regelfall gibt es immer jemanden der ein bisschen Englisch spricht. 
Braucht man denn einen Porter? Im Grunde auch nicht. Verpflegung gibt es unterwegs. Wenn man täglich wäscht, kein Schnickschnack mitnimmt und qualitativ hochwertige (und damit ultraleichte, aber dennoch warmhaltende) Ausrüstung/Kleidung besitzt, kann man sich definitiv auch das  Geld für einen Porter sparen.
Warum haben wir uns dann trotzdem dafür entschieden beide zu engagieren?  Nun, zum einen Leben die Leute davon. Gerade Porter gehören häufig zu den ärmsten Leuten, die weder Geld noch Bildung besitzen. Man tut also was Gutes und zum anderen hat man so die Gelegenheit Land, Leute und Natur näher kennenzulernen. Und ganz ehrlich, ich hatte auch echt keinen Bock den 15kg Rucksack rauf und runter zu schleppen. Der größte Vorteil denn wir aufgrund des Guides hatten, war das wir trotz Hauptsaison nicht nur garantiert immer ein Zimmer, sondern obendrein auch noch bessere Zimmer bekamen als Leute, die ohne unterwegs waren. Ist auch klar, die Guides kommen regelmäßig mit Leuten an, weshalb sie auch bevorzugt behandelt werden. Der größte Nachteil ist, dass man auch an Tagen wo nicht gewandert wird (weil man z.B. es irgendwo mal so schön findet und einen Tag länger bleiben möchte) trotzdem Guide und Porter voll bezahlen muss. Der Tagespreis belief sich bei uns übrigens auf umgerechnet 20 EUR für den Guide und 16 EUR für den Porter, was dem normalen Schnitt entspricht. Guides/Porters essen und schlafen i.d.R. kostenlos, weshalb man nur noch etwa 10 % übliches Trinkgeld einplanen muss. Die Unterkünfte unterwegs sind spottbillig: ca. 1,20 EUR für ein Bett im 4-6 Schlafsaal bis hinzu 5,20 EUR pro Nacht für ein Doppelzimmer mit eigenem Bad. Verpflegung (überraschend gut und abwechslungsreich) wird teurer je höher man kommt (wegen der Transportkosten). Aber selbst "ganz oben" hat man selten Gerichte die über 4 EUR steigen. Wasser gibt es übrigens nur "ungereinigt" (dafür hat man in Pokhara Reinigungstabletten oder - tropfen gekauft 2 EUR) oder man kauft sich abgekochtes Wasser (1l kostet 1 EUR) und lässt sich das in seine Trinkflaschen abfüllen. Hatten wir nur und dank ein paar mitgenommener Teebeutel gab's auch hin und wieder Wasser mit Geschmack. :-) 
Warme Schlafsäcke, dicke Jacken und Wandersticks (sehr zu empfehlen, da gute Knieunterstützung und Böden teilweise sehr glitschig und steinig) brauch man nicht von zuhause mitzuschleppen. Man kann alles in Pokhara leihen (auch neue Sachen sind erhältlich und die Preise kaum der Rede wert, Bsp. neuer, warmer Schlafsack für 0,80 EUR pro Tag) oder kaufen.
Wer mal so ein Nepalreise unternehmen möchte, den möchten wir zu letzt noch anraten, keine Pauschalreise von Zuhause aus zu buchen. Die Kosten sind deutlich höher, die Reise wird extrem unflexibel (weil große Gruppe), die erhältlichen Zimmer sind deutlich schlechter (meist nur Schlafsaal) und die Porter werden ausgebeutet. Sie bekommen einen Hungerlohn und müssen dafür teilweise bis zu 4 Rucksäcke (bis 30 kg) auf einmal hoch schleppen. Es ist wirklich kein großes Kunststück hier vor Ort alles klar zu machen und es frisst auch kaum Zeit! 
   

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Kommentare: 1
  • #1

    Natalie und Djahan (Freitag, 07 November 2014 18:13)

    Sehr schön, der Vergleich mit Delmenhorst :-D