Chitwan NP - Tief im Dschungel

"Chitwan", was übersetzt soviel wie Herz des Dschungels bedeutet, ist uns eine willkommene Abwechslung. Der 1973 (und damit der erste) eröffnete Nationalpark am Rande zur indischen Grenze, seit 1984 UNESCO-Welterbe, erstreckt auf ein Areal von knapp 1000qm und beherbergt eine schier unglaubliche Artenvielfalt an Pflanzen, aber vor allem auch an Tieren. 
Wir blieben 3 Nächte in Sauraha, einem Örtchen, welches als Ausgangspunkt für Ausflüge in den Park dient und direkt am Rande dessen gelegen ist. Unsere Lodge ist einfach und preisgünstig, aber irgendwie auch gemütlich. Und obwohl sich trotz der Moskito-Netze über dem Bett und an den Fenstern reichlich Krabbelgetier (u.a. auch eine Kakerlake) in unserem Gemach eingefunden hat, fanden wir einen seelenruhigen Schlaf. Kathmandu hatte uns diesbezüglich wohl abgehärtet ...

Bereits ein paar Tage zuvor hatten wir uns damit beschäftigt, wie unser Aufenthalt hier im schwülwarmen Dschungel aussehen sollte und während unserer Recherchen stießen wir auf eine Guiding-Agentur (ohne die kommt man gar nicht rein in den Park), die von sich reden machte, dass sie einen besonders respektvollen Umgang mit der hiesigen Flora und Fauna pflege und dennoch so tief und intensiv wie keine andere sich ins Abenteuer stürze. Das sprach uns an. Wir kamen in Kontakt und lernten das sympathische Geschwisterpaar Raj und Doma am Abend der Ankunft kennen. Wir bekamen eine Auswahl an Möglichkeiten angeboten und entschieden uns für die von den beiden empfohlenen Aktivitäten. Am nächsten Morgen ging es dann los ...
Echt Elefantös ...
Echt Elefantös ...
Der Tag begann - ohne Frühstück, noch nicht mal Kaffee - mit einem relativ teuren, dafür aber privaten (d.h. nur wir zwei und der "Mahut") Government- Elephantride" quer durch den Chitwan für knapp 2 Stunden. Wir hätten es auch etwas günstiger haben können, wenn wir statt mit den "Staatlichen Elefanten" (nur zwei insgesamt) in der "normalen Dickhäuterkolonne" mit den anderen Touris geritten wären. Das hätte allerdings bedeutet, das wir uns nur in der Pufferzone (Schmaler Streifen vor dem tatsächlichen Park) bewegt hätten und außerdem hatten wir gelesen, dass die Mahuts häufig ihre grauen Riesenfreunde dazu zwingen immer noch näher an die entdeckten Tiere heranzugehen, um ein größeres Trinkgeld von den Touristen zu ergattern. Das wollten wir nicht. Und so bezahlten wir gerne etwas mehr und hatten dafür den bis dato schönsten Tag in Nepal. Unser Mahut war so im Einklang mit seinem Elefant, dass er nicht einmal ein Wort sagen oder seinen Haken zum Einsatz bringen musste. Es lag ein leichter Morgennebel über dem mannshohen Elefantengras und man hörte nur die Natur. Herrlich und wunderschön! Wir hatten auch etwas Glück und entdeckten 3 Einhörnige Panzernashörner, wovon einer wirklich gigantisch war und plötzlich aufhörte zu kauen und uns anstarrte als wir um die Ecke bogen. Die Lage entspannte sich dann aber wieder schnell ("alle Tiere respektieren Elefanten!") und er widmete sich wieder seinem Frühstück. Und neben ein paar Vögeln hätten wir auch beinahe einen Leoparden gesehen, der aber leider zu flink war und im Unterholz verschwand, bevor unser Blick dem Fingerzeig unseres Piloten folgen konnte. "Naja, vielleicht haben wir ja später nochmal das Vergnügen/Pech ..." dachte ich für mich im Stillen.
Posierendes Sumpfkrokodil zeigt Zähne
Posierendes Sumpfkrokodil zeigt Zähne
Nach einer stärkenden Mahlzeit und ein paar Stunden der Erholung (davon kann man auf Reisen gar nicht genug haben) machten wir uns am frühen Nachmittag au zu unserer zweiten gebuchten Aktivität. Diesmal sollte es "etwas" abenteuerlicher sein. Wir fuhren etwa eine Stunde lang mit einem einheimischen Kanu (ein ausgehüllter Baumstamm, also wirklich nur ein Stück Holz) mit unseren beiden Guides (wieder nur wir und die Guides, diesmal aber unbewusst und sehr günstig) und einer weiteren Gruppe von Touristen und ihren Guides den Fluss abwärts und beobachteten während der Fahrt aggressive Sumpfkrokodile, fischende Ghariale und zig verschiedene lustige Vögel. Beim Einsteigen ins Boot wurde uns empfohlen die Arme lieber nicht über die "Reling" zu strecken, falls wir im Ganzen zurück kommen wollten. Wir folgten der Empfehlung. 

Unser Expeditionstrupp; Links Seven und M
Unser Expeditionstrupp; Links Seven und M
Als wir wieder an Land gingen, erhielten wir von einem unserer Guides, "M", eine Einweisung, wie wir uns verhalten sollten, wenn uns ein gefährliches Tier (Nashorn, Lippenbär, wilde Elefanten, Leoparden oder vielleicht sogar "Der König des Dschungels" höchstpersönlich, der bengalische Tiger) begegnen sollte. "Na toll, ich mach mir jetzt schon in die Hose", durchzuckte es mich und ich erkundigte mich der Sicherheit halber noch ein, zwei Mal, ob ich auch alles richtig verstanden hätte. "Eijeijei, warum tun wir uns das gleich noch mal an ...?" 

Die andere Gruppe war unterdessen gleich losmarschiert ohne Einweisung. Die brauchten auch keine, erklärte mir "Seven", unser zweiter Guide, da sie nur den "Bigtrail" (einen dicken Feldweg, wo früher Jeeps auf Safari durchbrausten, als es noch erlaubt war und wo zu dieser Jahreszeit keine Tiere erwartet werden) zurückliefen. "Und was machen wir?" fragte ich leicht nervös. "Wir," rief M aus nächster Nähe, "gehen da rein!" und zeigt dabei auf eine grüne Wand. Wenig später watschelten wir schweißnass durch den Busch. Es war schwül und heiß und der ganze Körper war den gesamten 4 -stündigen Rückmarsch so extrem auf Spannung, da man - weil das Gras so hoch war - wirklich plötzlich auf Armeslänge hätte einer unangenehmen Überraschung gegenüberstehen können. Es war zum Zerbersten. Aber irgendwie wollte man den Nervenkitzel auch. Wir folgten Fußspuren, entdeckten Kratzspuren und abgeknickte Äste. Wir fanden Exkremente von Rhinos und ich war froh, dass keiner der Guides eine Fingerprobe machte, um festzustellen wie frisch sie waren. Dann zwei Stunden, 2 Blutegelattacken, 3 Millionen Rote Riesenkäfer und eine Babykobra später, hörten wir plötzlich 2 Rhinos. Wir konnten sie leider nicht sehen und stiegen wir daher sogar auf Bäume, aber auch da hatten wir leider wenig Glück mit. Sie standen so tief im Gras, das man nur schemenhaft erahnen konnte, wo sie waren. Es war dennoch extrem spannend, weil man auch andauernd das Gefühl hatte gleich kommt einer aus dem Gebüsch auf einen zu galoppiert und man ertappte sich auch ständig dabei sich umzuschauen und einen Baum auszumachen (bester Schutz vor den "Einhörnern"), wo man sich hinter verstecken könne. 
Am Ende blieb es bei diesen wenigen Begegnungen, aber wir waren sehr zufrieden und fix und alle. Die folgenden paar Tage in Sauraha waren dann eher entspannt und wenig ereignisreich. Wie angenehm. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0