"Highway to hell"

Die Fahrt von Kathmandu nach Sauraha dauert laut Google Maps 3,5 Stunden. Tatsächlich brauchten wir 5 Stunden für die gerade mal 152 km. Das lag nicht etwa an Staus oder so. Nein, die "Highways" hierzulande sind gelinde gesagt abenteuerlich. 

Unterwegs geknipst - Im Sand "spielende" Kinder sehen anders aus ...
Unterwegs geknipst - Im Sand "spielende" Kinder sehen anders aus ...
Da wir auch schon ahnten was uns bevorstand, aufgrund der Eindrücke in der Hauptstadt, entschieden wir uns gegen den Bus mit der Aufschrift "Tourist Only" und für die Buchung eines Fahrers mit eigenem Auto (naja im Grunde gehörte die Karre seinem Boss). Wir hätten auch fliegen können, aber 1. fanden wir das irgendwie zu "abgehoben" und 2. stehen sämtliche nepalesische Airlines auf der schwarzen Liste der EU, was für uns Grund genug war auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben. Unsere Entscheidung entpuppte sich als die richtige Wahl: Auf dem Weg hatten wir Gelegenheit einen umgekippten Touristenbus (erfreulicherweise ohne "Inhalt") und wenig später auch ein brennendes Fahrzeug ein Stück unterhalb der Fahrbahn zu beobachten. Und außerdem fuhr unser junger Fahrer für einen Nepali relativ vorsichtig, was meiner Meinung wohl daran lag, dass der VW Vento niegelnagelneu war. Leider war es dennoch nicht sein Tag ...
Wellblech-Raststätten laden zum Verweilen ein
Wellblech-Raststätten laden zum Verweilen ein
Als er, wie so oft, vor einem gigantischen Schlagloch abbremste um die Felgen zu schonen, sah ich aus dem Augenwinkel wie sich hinter uns ein buntes Ungetüm näherte, begleitet von einem  quietschig, schreiendem Geräusch. "Pock". Der übervolle Local-Bus hatte unsere hintere Stoßstange geknutscht. Und während ich noch dachte, "Auha, das war knapp", und mich freute, dass wir beide keinen Schaden genommen hatten, war unser Fahrer schon ausgestiegen und begutachtete mit etwa 10 weiteren Leuten den Schaden. Es wurde diskutiert was das Zeug hielt, gezeigt, gefühlt, gelacht, gekopfschüttelt, genickt und nach gefühlten 20 Minuten stieg unser Fahrer wieder ein und ein Typ aus dem Bus nahm ebenfalls Platz in "unserem Auto". Der Fahrer erklärte uns, dass er mit dem Typen zur Polizei müsse, nachdem er uns am Zielort rausgelassen habe, verstand sich. Ich nickte und gab ihm zu verstehen, kein Problem damit zu haben. Der Neue Mitfahrer gab sich als Quasselstrippe zu erkennen. Er textete seinen Landsmann so zu, das man hätte glauben können, es handele sich bei den beiden um alte Schulfreunde, die sich lang nicht mehr gesehen hatten. Eine halbe Stunde später, hielten wir plötzlich an. Nein, wir waren noch nicht am Ziel, erkannte ich schnell. Da der Chitwan Nationalpark zu den tiefgelegensten Regionen Nepals gehört und ich ringsherum noch Abhänge  und Berge erkannte, musste der Grund unseres Stopps ein anderer sein. "Aha", dachte ich und erspähte am Rande des Parkplatzes ein "dünnes Hemdchen" mit einer Polizeimarke und einem Walky Talky in der Hand. Wir wurden von unserem Fahrer gebeten  auszusteigen (grml ...) und im Schatten eines nebenstehenden Baumes kurz zu warten. Offenbar sollte es nun doch schon in unserem Beisein zum Showdown kommen.
Na denn , wir hatten ja Zeit. Innerhalb weniger Minuten versammelten sich um die beiden Kontrahenten, 2 Polizisten, 4 Anwohner, 2 Landstreicher (?), und ein paar spielende Kids. Es wurde wieder geguckt, gezeigt, gefühlt, gelacht, genickt, gekopfschüttelt, gequasselt .... und (20 Minuten später) ....geeinigt! Die Quasselstrippe reichte unserem Fahrer  2000 Rupien (ca. 16 EUR) und beide (?) stiegen wieder ins Auto und wir fuhren weiter. Interessant wie das so in anderen Ländern läuft, ging es mir durch den Kopf und ich musste lächeln. Nachdem wir nunmehr stillen Mitgenommenen ein paar Örtchen weiter grußlos hatten aussteigen lassen, erreichten auch wir etwas später unser Ziel. Puh, war das ne Fahrt ... 

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